Konzeption

Leonie - Veranstaltungskonzeption

Für jede Leonie-Veranstaltung werden Hilfsmittel in Gestalt von „Spickern“ vorbereitet. Diese „Spicker“ werden den Studierenden Lösungshinweise geben. Dabei gibt es verschiedene Grade: „Spicker“ niedriger Grade geben subtile Andeutungen zur Falllösung, „Spicker“ der höchsten Grade können hingegen an kritischen Stellen ganze Aufbaustrukturen verraten. Eine Sonderkategorie von „Spickern“ wird für Studierende der Mittelphase erstellt werden, wenn ein Fall (trotz Anpassungen) Teile von Rechtsmaterien enthält, die in der Mittelphase noch nicht behandelt worden sind.

Jeder Veranstaltungstermin wird dann folgendermaßen ablaufen:


1. Erarbeitungsphase (75 Minuten)

Die Aufgabe der Studierenden für die 75minütige Erarbeitungsphase besteht darin, in einer Skizze einen vollständigen Lösungsvorschlag für den Fall zu entwickeln, der alle Prüfungspunkte beachtet, alle Rechtsfragen entscheidet und alle verwendeten Argumente nennt. Die Skizze muss nach 75 Minuten in einem Zustand sein, der ohne weitere Denkschritte eine schriftliche Ausarbeitung ermöglichen würde. Die Verantwortung dafür liegt bei den Studierenden selbst; es findet keine Kontrolle statt. Studierende, die mehr als 75 Minuten benötigen, können daher ggf. noch die anschließende Pause für die Fertigstellung der Skizze nutzen.


Für die Erarbeitungsphase wird in einem Hörsaal, der später zugleich der Diskussionraum ist, Prüfungsatmosphäre geschaffen: Dort herrscht absolute Ruhe; eine SHK des veranstaltenden Lehrstuhls fungiert als Aufsicht und unterbindet Konversation. Studierende, die den Ernstfall trainieren wollen, können auf sämtliche Hilfsmittel verzichten und simulieren damit fast exakt die ersten 75 Minuten der Examenssituation. Es ist den Studierenden jedoch auch möglich, Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen; darüber können Sie zu jeder Zeit der Bearbeitungsphase entscheiden. Es gibt dafür folgende Optionen:


– Teamarbeit: Studierendengruppen haben die Möglichkeit, die Erarbeitungsphase als Team zu bestreiten. Teams finden sich nicht im, sondern vor dem Hörsaal ein und erhalten dort die Sachverhalte (ggf. mit „Spickern“); danach begeben sie sich an einen Ort ihrer Wahl, um gemeinsam eine Lösungsskizze zu erarbeiten. Dieses Szenario ist am weitesten von der Ernstfallsituation der Examensklausur entfernt; es eignet sich vor allem für Studierende, die eine Zusammenarbeit als Arbeitsgemeinschaft testen wollen oder bereits eine Arbeitsgemeinschaft sind. Der Vorteil der Kooperation ist allerdings kleiner, als man glauben will, denn die Bearbeitungszeit beträgt auch für Teams nur 75 Minuten. Teams sind daher nur dann im Vorteil, wenn sie konzentriert zusammenarbeiten, ihre Diskussionen auf die wesentlichen Punkte lenken und vom Ziel wegführende Eörterungen vermeiden. Genau diese Lernerfahrung ist auch beabsichtigt.

– „Spicker“ zu Anfang: Studierende können sich gleich bei der Ausgabe der Klausuren „Spicker“ besorgen, wenn sie erwarten, dass sie sie benötigen. Sie müssen sie jedoch nicht einsetzen.

– „Spicker“ im Verlauf: Studierende können jederzeit in der Bearbeitungsphase durch ein Handzeichen „Spicker“ anfordern; die aufsichtsführende SHK bringt den gewünschten „Spicker“ dann leise an den Platz (um die Prüfungsruhe nicht zu stören).


Hinter den „Spickern“ steht ein elementare Lehrerfahrung: Die Lösung eines Problems prägt sich umso intensiver ein, je länger man versucht hat, das Problem selbst zu lösen. Die Notwendigkeit, „Spicker“ anzufordern, macht deren Einsatz zu einem bewussten Schritt für die Teilnehmer; sie wissen, dass sie jetzt fremde Hilfe in Anspruch nehmen, die sie im Ernstfalle nicht hätten. Dies soll die Teilnehmer ermutigen, möglichst lange „auf eigene Faust“ an den Problemen zu arbeiten und damit zumindest die Verständnisbasis vorzubereiten. Zugleich ist der „Spicker“-Einsatz durch die Abstufung auch ein Motivator, der Studierenden erlaubt, sich differenzierte Ziele zu setzen und auch auf diese Weise Lernfortschritte zu erkennen (etwa: „Heute will ich höchstens den Spicker Stufe II verwenden“, oder – ex post –: „Heute habe ich nur Spicker Stufe I gebraucht, um eine halbwegs richtige Lösung zu finden.“)


2. kurze Pause (ca. 15 Minuten)


Die Pause dient primär der Erholung; sie hat aber auch die nicht ganz unwichtige Funktion, den Studierenden Raum zum socialising über die Semestergrenzen hinweg zu geben.


3. Besprechungsphase: Gemeinsames Erarbeiten der Falllösung im Plenum (150 Minuten incl.
Nachgespräch)

Da der Fall unmittelbar vorher von allen Teilnehmern intensiv durchdacht worden ist und die Falllösungstechnik im Zivilrecht einer bestimmten Systematik folgt, kann sich der Dozent in der Lösungsdiskussion weitgehend auf eine Moderatorenrolle zurückziehen; er strukturiert die Diskussion, fungiert als Impulsgeber, stellt Ergebnisse in den größeren rechtlichen Kontext und erläutert die Sicht des Prüfers in einer derartigen Prüfungssituation. Am Ende fasst der Dozent den Fall und die Schwierigkeiten kurz zusammen und teilt den Teilnehmern knapp mit, welche Aspekte des Falles in der Bewertung welches Gewicht gehabt hätten; dies soll den Teilnehmern eine Einschätzung ihrer eigenen Leistungen ermöglichen. Damit endet der „offizielle“ Teil von Leonie. Der Dozent verbleibt jedoch im Raum und steht noch für Einzelfragen von Studierenden zur Verfügung, die den Fall oder seinen größeren Kontext betreffen. Dieses informelle Nachgespräch hat eine freundliche Atmosphäre und lässt – worauf die Studierenden hingewiesen werden – bewusst auch Fragen auf einem wesentlich niedrigeren Niveau als dem Niveau des Falles zu. Das Nachgespräch dient insbesondere dazu, Studierenden mit wenig Selbstbewusstsein oder grundlegenden Verständnisschwierigkeiten die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen im kleinen Kreis zu stellen.

letzte Änderung: 08.07.2016